Abzocke im Internet – wie mit der Liebe Geschäft gemacht wird
Onlinedating ist die zeitgemäße Form der Partnersuche und erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Nach einer aktuellen Bitkom-Befragung haben 43 % der Internetnutzerinnen und Internetnutzer in Deutschland mindestens ein Online-Dating-Angebot schon einmal genutzt. Gleichzeitig warnen Verbraucherzentralen, Polizei und Europol regelmäßig vor Fake-Profilen, moderierten Profilen und Romance-Scamming. Wie groß der Anteil gefälschter Profile über alle Datingportale hinweg tatsächlich ist, lässt sich jedoch nicht seriös pauschal beziffern.
Kurzantwort
Fake-Profile auf Datingportalen erkennt man selten an einem einzelnen Merkmal. Vorsicht ist vor allem angebracht, wenn ein Kontakt kein Telefonat oder Treffen möchte, Geld, Finanzdaten oder Ausweisdokumente verlangt, auf andere Datingseiten wechseln will oder Nachrichten sehr allgemein bleiben. Zusätzlich helfen ein Blick in AGB beziehungsweise Anmeldeseite und eine Bilderrückwärtssuche.
Wer verbirgt sich hinter den gefälschten Profilen?
Im Wesentlichen gibt es drei häufig genannte Problemfelder, vor denen sich der ernsthafte Nutzer schützen muss.
Zum einen stehen hinter der Abzocke Spammer. Sie können im Auftrag eines Konkurrenzunternehmens handeln und versuchen, Kunden abzuwerben. Sie geben sich dabei als Singles aus. Um den Kontakt nicht abbrechen zu lassen, fordern sie ihr Opfer dazu auf, sich auf anderen Datingportalen zu registrieren und dort teure Funktionen freischalten zu lassen.
Zum anderen bewegen sich sogenannte Dating-Scammer hinter dem Deckmantel des anonymen Internets auf deutschen Datingportalen. Sie lassen einen intensiven Kontakt entstehen und gaukeln vor, sich verliebt zu haben. Im Laufe der Zeit geraten sie aus diversen Gründen in Geldnot und veranlassen den gutgläubigen Nutzer dazu, eine bestimmte Summe Geld zu überweisen. Die Bitte nach finanzieller Unterstützung wiederholt sich solange, bis das Opfer nicht mehr zahlungswillig ist. Sobald die Zahlungen eingestellt werden, endet häufig auch der Kontakt mit dem Dating-Scammer.
Bei manchen Portalen können auch vom Anbieter moderierte oder fiktive Profile eingesetzt werden. Entscheidend ist dann, ob und wie deutlich Nutzerinnen und Nutzer darüber informiert werden. Hinweise auf Animateure, Moderatoren oder fiktive Profile finden sich nach Angaben der Verbraucherzentrale häufig in AGB, Nutzungsbedingungen oder auf Anmeldeseiten. Ein gleichförmiger Schreibstil oder sehr allgemein gehaltene Nachrichten können ein Hinweis sein, reichen allein aber nicht als sicherer Beweis.
Je nach Portal kann das Verhältnis von Frauen und Männern unausgewogen sein. Solche Ungleichgewichte können Betrüger oder unseriöse Anbieter ausnutzen, etwa indem besonders attraktive Kontakte vorgetäuscht werden.
Die unterschiedlichen Betrugsmaschen haben alle eines zum Ziel: den Nutzer zu weiteren Handlungen oder Zahlungen zu bewegen.
Da viele Internetdienste nach dem Freemium-Prinzip arbeiten (die Registrierung ist kostenlos, alle weiteren Nutzungsmöglichkeiten des Produkts, wie z. B. das Versenden von Nachrichten, ist aber kostenpflichtig), wird versucht, das Interesse bei dem User zu wecken und ihn zum Schreiben von Nachrichten oder zum Buchen von kostspieligen Extras zu animieren.
Wie kann man sich schützen?
Kurze Warnzeichen-Checkliste
- In AGB, Nutzungsbedingungen oder auf der Anmeldeseite ist von Animateuren, Moderatoren, Controllern oder fiktiven Profilen die Rede.
- Der Kontakt möchte weder telefonieren noch ein persönliches Kennenlernen vereinbaren.
- Es wird Geld, finanzielle Unterstützung, Finanzdaten oder ein Ausweisdokument verlangt.
- Der Kontakt drängt dazu, auf eine andere Datingseite zu wechseln oder dort kostenpflichtige Funktionen zu nutzen.
- Profilbild und Profilangaben passen bei einer Bilderrückwärtssuche nicht zusammen.
- Nachrichten wirken sehr allgemein, oberflächlich oder haben kaum Bezug zu vorherigen Gesprächen.
Ein einzelner Hinweis ist noch kein sicherer Beweis. Häufen sich mehrere Warnzeichen, ist besondere Vorsicht sinnvoll.
Dass es sich bei den Datingpartnern nicht um echte Kontakte, sondern um Gespräche mit moderierten oder fiktiven Profilen handelt, kann der Verbraucher in vielen Fällen an den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB oder auch »Kleingedrucktes«) erkennen. Ist dort die Rede von Animateuren, Moderatoren oder Controllern, ist das ein Indiz dafür, dass einige der Personen auf der Datingplattform im realen Leben gar nicht existieren.
Hinweise dazu, dass der Anbieter Fake-Profile einsetzt oder fiktive Kontakte nutzt, finden sich aber nicht nur in den AGB, sie können auch auf der Anmeldeseite stehen.
Fehlen solche Hinweise vollständig oder sind sie für Nutzer kaum erkennbar, kann dies rechtlich problematisch sein. Ob im Einzelfall ein Betrug nach § 263 StGB vorliegt, hängt jedoch von den konkreten Umständen ab und sollte bei einem finanziellen Schaden oder konkretem Verdacht rechtlich beziehungsweise polizeilich geklärt werden.
Der Nutzer solcher Onlinedienste muss die AGB aber nicht unbedingt gelesen haben, um zu merken, dass die Person zu der er Kontakt aufbaut, ein erfundener Charakter ist.
Besteht der Kontakt schon eine Weile, lässt sich der Gesprächspartner aber partout nicht von einem persönlichen Kennenlernen oder der telefonischen Kontaktaufnahme überzeugen, verlangt er ab einem bestimmten Zeitpunkt sogar Geld, Finanzdaten oder Ausweisdokumente oder möchte den Kontakt über eine alternative Datingseite fortführen, steckt in aller Regel kein Nutzer mit ernsthaften Interessen dahinter und es kann sich um Abzocke handeln.
Um auf Nummer sicher zu gehen, dass es sich nicht um einen gefälschten Account handelt, gibt es darüber hinaus die Möglichkeit der Bilderrückwärtssuche bei Google unter images.google.com oder über vergleichbare Bildersuchen.
Dort können die Profilbilder des Gegenübers in die Suchleiste eingefügt werden. Tauchen sie andernorts im Internet auf und decken sich die Informationen nicht mit den Profilangaben, handelt es sich sehr wahrscheinlich um ein gefaktes Profil.
Wenn du einen Fake-Verdacht hast: nächste Schritte
- Prüfe AGB, Nutzungsbedingungen oder Anmeldeseite auf Hinweise zu moderierten, fiktiven oder animierten Profilen.
- Vergleiche Profilangaben und Profilbilder mit einer Bilderrückwärtssuche, wenn dir Angaben widersprüchlich vorkommen.
- Gib kein Geld, keine Finanzdaten und keine Ausweisdokumente weiter, wenn der Kontakt danach fragt.
- Wenn bereits ein finanzieller Schaden entstanden ist oder der Verdacht konkret wird, kläre den Fall rechtlich beziehungsweise polizeilich.
Das Profilbild eines anderen ist aber auch ohne diese Suchmöglichkeit ein aussagekräftiger Indikator dafür, ob der vermeintliche Datingpartner existent ist oder nicht. Oftmals wird versucht über besonders aufreizende Fotos das Interesse der Anwender zu generieren. Nicht selten können solche Fotos von anderen Webseiten kopiert und wiederverwendet worden sein.
Verfügt der Gegenüber hingegen über ein natürliches Profilbild und zeigt er sich auf weiteren Fotos in alltäglichen Situationen, stehen die Chancen besser, eine ehrliche Person gefunden zu haben. Eine Garantie ist das aber nicht.
Darüber hinaus gibt es im Internet einsehbare Listen von bereits aufgeflogenen Dating-Scammern und Internetbetrügern die abgeglichen werden können.
Zusätzlich ist Skepsis geboten, wenn die Nachrichten die man erhält, oberflächlich und ohne jeden Bezug zu vorangegangenen Themen sind. Dann besteht die Möglichkeit, dass mit fertigen Textbausteinen gearbeitet wird, die an eine Vielzahl von anderen Nutzern parallel versendet werden. Es ist also immer mit Vorsicht heran zu gehen an das Kennenlernen online, denn Abzocke – Das Geschäft mit den Fake-Profilen auf Datingportalen ist leider nicht auszuschließen.
Stand, Quellen & Transparenz
Stand der Informationen: Juni 2026
Die Aussagen zu Fake-Profilen, moderierten Profilen und Romance Scamming basieren auf öffentlich zugänglichen Informationen. Pauschale Angaben zum Anteil gefälschter Profile auf Datingportalen wurden bewusst vermieden, weil sich dafür keine belastbare allgemeine Datengrundlage nennen lässt.
Der Beitrag kann Verweise auf eigene Angebote oder Partnerseiten enthalten. Die redaktionelle Einordnung soll dennoch fair, nachvollziehbar und möglichst sachlich bleiben.
Genutzte Quellen
- verbraucherzentrale.de/wissen/digitale-welt/onlinedienste/onlinedating-achtung-fakeprofile-21848 – Hinweise zu Fake-Profilen, AGB-Hinweisen und moderierten Profilen
- verbraucherzentrale.de/wissen/digitale-welt/onlinedienste/love-scamming-so-schuetzen-sie-sich-vor-liebesbetrug-93503 – Einordnung von Love Scamming
- polizei-beratung.de/themen-und-tipps/sicher-handeln/onlinebetrug-maschen/romance-scamming-liebesbetrug – Warnsignale und Verhalten bei Romance Scamming
- europol.europa.eu – Hinweise zu Romance Scams, Geldforderungen und Bilder-/Profilsuche
- bitkom.org / Bitkom Online-Dating-Befragung 2026 – Nutzung und Einordnung von Online-Dating in Deutschland