Können Nutzerdaten von Lovoo nachvollzogen werden?
Im Jahr 2019 wurde bekannt, dass der Anbieter der Dating-App Lovoo nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks und darauf aufbauender Berichterstattung ein ernst zu nehmendes Standort- und Datenschutzproblem gehabt haben soll. Konkret ging es um die Frage, ob Bewegungsdaten von Nutzern über mehrere Tage hinweg nachvollzogen werden konnten. Lovoo widersprach damals der Bewertung, dass ein Datenschutzproblem vorliege, und verwies auf Schutzmaßnahmen. Für Nutzer bleibt das Thema dennoch relevant, weil Standortdaten bei Dating-Apps grundsätzlich besonders sensibel sind.
Kurzantwort
Nach damaliger Berichterstattung soll Lovoo 2019 ein Standortproblem gehabt haben, durch das Bewegungsdaten nachvollziehbar gewesen sein konnten. Lovoo widersprach der Bewertung und verwies auf Schutzmaßnahmen. Für Nutzer ist die wichtigste Konsequenz: Standortfreigaben bewusst prüfen, Radar nur bei Bedarf nutzen und im Profil nicht mehr Informationen öffentlich machen als nötig.
Was ist Lovoo?
Lovoo ist eine der bekannten Dating-Apps im Netz und gehört zusammen mit Tinder&Co zu den bekannten Applikationen im Dating-Bereich. Lovoo bietet mehrere Möglichkeiten, als vergleichbare Apps und ein kostenlos nutzbares Grundangebot. Laut den aktuellen Store-Angaben kann die App kostenfrei heruntergeladen und genutzt werden; zusätzlich gibt es In-App-Käufe beziehungsweise Premium-Funktionen. Beispielsweise ist es bei Lovoo möglich einen Video-Chat einzurichten. Zusätzliche Premium-Features können gebucht, aber auch durch eine interne Währung durch eigenes öffentliches Streaming verdient werden. Lovoo ist auf den ersten Blick genau die richtige App für alle, die auf der Suche nach einer Dating-App sind.
Neben der Sichtweise der Konsumenten gibt es aber natürlich auch die Sichtweise des Technikers auf die App. Hier stellt sich schnell heraus, dass die App vor allem eine Menge an Daten benötigt um zu funktionieren. Alleine die regionale Suche nach Chatpartnern benötigt eine aktivierte Standortfreigabe, und auch weitere persönliche Daten müssen von der App zur Sicherstellung der Dienstleistung erhoben werden.
Nach den aktuellen Datenschutzhinweisen von Lovoo wird Lovoo von der PE Digital GmbH betrieben. Dort wird unter anderem beschrieben, dass allgemeine Standortinformationen etwa über die IP-Adresse verarbeitet werden können und dass Lovoo sich bei präzisen Standortdaten auf die Einwilligung der Nutzer stützt. Diese Einordnung ist wichtig: Dass Standortdaten verarbeitet werden, ist bei einer Umkreissuche nicht ungewöhnlich; entscheidend ist, wie genau diese Daten genutzt, angezeigt und geschützt werden. Lovoo ist definitiv ein seriöser Anbieter, der seinen Mitgliedern und Nutzern ein ungestörtes Dating-Erlebnis bieten möchte.
Wie wurde die Störung entdeckt?
Der Fernsehsender BR (Bayerischer Rundfunk) testete für sein Format eine Reihe von Dating-Apps. Darunter befand sich auch Lovoo, denn die App gehört zu den bekannteren Angeboten in diesem Bereich. Bei den Tests wurde laut damaliger Berichterstattung festgestellt, dass es mit technischem Know-How möglich gewesen sein soll, Standort- und Bewegungsdaten von Nutzern über einen längeren Zeitraum hinweg nachzuvollziehen. Möglich machte das nach den Berichten die Radarfunktion von Lovoo, welche nur im Verbund mit den jeweiligen Einstellungen des Gerätes genutzt werden kann. Durch diese Funktion können User aus der Umgebung gefunden werden.
Bewegt sich der Nutzer der App, passt sich das Suchergebnis auf die neue Region hin an und zeigt die entsprechenden Profile in der Nähe. In den damaligen Berichten wurde beschrieben, dass Lovoo Entfernungen bis zur 100-Meter-Marke angezeigt habe und sich Standorte durch Trilateration noch genauer eingrenzen ließen. Heise berichtete auf Grundlage der BR-Recherche von einer möglichen Ortung auf etwa 30 bis 50 Meter. Nach weiteren Angaben aus der Berichterstattung teilte Lovoo später mit, Änderungen vorgenommen zu haben, damit Standorte nicht mehr genauer als auf 1000 Meter bestimmt werden können.
Wie genau die damalige Schnittstelle funktionierte, und welche Voraussetzungen für ein erfolgreiches Abfragen der Daten notwendig waren, wurde nicht im Detail beschrieben. Das ist nachvollziehbar, weil eine zu konkrete Beschreibung ein zusätzliches Risiko für Nutzer schaffen könnte. Entscheidend ist hier die Einordnung: Nach den damaligen Medienberichten konnten Standortinformationen über eine Programmierschnittstelle in größerer Zahl abgerufen und über mehrere Messpunkte eingegrenzt werden.
Da bei Dating-Apps Standortdaten mit Profilinformationen zusammenfallen können, ist ein solcher Abruf besonders sensibel. In den damaligen Berichten wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass Profilinformationen wie Alter, Geschlecht, Fotos oder sexuelle Orientierung mit Bewegungsdaten kombiniert werden könnten. Hinweise auf Missbrauch in anderen Ländern bezogen sich in der Berichterstattung vor allem auf andere standortbasierte Dating-Apps; daraus lässt sich nicht automatisch ableiten, dass Lovoo selbst in solchen Fällen die Ursache war. Der BR, aber auch Datenschützer kritisierten deswegen den damaligen technischen Entwicklungsstand der App und verlangten eine deutliche Verbesserung der Sicherheitsarchitektur.
Was kann man als Nutzer tun?
Praktische nächste Schritte
- Prüfe in den Einstellungen deines Smartphones, ob Lovoo Zugriff auf den Standort hat.
- Deaktiviere Radar beziehungsweise Standortfreigabe, wenn du die Umkreissuche nicht nutzen möchtest.
- Wenn du Radar nutzt, halte öffentliche Profilangaben möglichst sparsam.
- Installiere keine zusätzlichen oder unbekannten Lovoo-Apps und prüfe App-Bewertungen vor der Installation.
Der effektivste, aber auch einschränkenste Weg wäre einfach das Abstellen des Radars beziehungsweise der Standortfreigabe. Eine Nichtnutzung entspricht aber nicht einem Ausschalten. In den Berechtigungen des jeweiligen Betriebssystems sollte es eine Einstellung über die Berechtigungen der jeweiligen Apps geben. Hier sollte es Lovoo nicht möglich sein auf die Bewegungsdaten zuzugreifen, wenn man diese Freigabe nicht möchte. Ist diese Option aktiviert, muss sie erst deaktiviert werden. Bei einer Neuinstallation wird die Berechtigung in der Regel abgefragt, weswegen dieser Vorgang angebracht sein kann. Noch effektiver ist es, wenn die komplette Aufzeichnung der Bewegungsdaten aktiv verhindert und deaktiviert wird. Doch die Aufgabe der Funktion kann die Funktionsweise anderer Apps beeinträchtigen.
Wenn du den Radar weiter nutzen möchtest
Wer den Radar nutzen möchte, kann vor allem beim eigenen Profil ansetzen. Gib nur Details an, die du wirklich öffentlich sichtbar machen möchtest. Klarnamen nur, soweit nötig; auch Kontoinformationen und Bankdaten sollten auf einem möglichst geringen Niveau bleiben. So werden mit einem möglichen Bewegungsprofil verbundene Daten schwerer auszuwerten.
Wovon du eher Abstand nehmen solltest
Cleaner-Apps sind kein verlässlicher Schutz vor Standortverarbeitung, weil sie aktive Datenströme und serverseitige Verarbeitungen nicht verhindern. Sie können höchstens lokal zwischengespeicherte Daten auf dem eigenen Gerät reduzieren. Auch ein zweiter Google-Account als “Fake Profil” ist keine saubere Lösung, weil das gegenüber anderen suchenden Lovoo-Nutzern unfair sein kann und je nach Nutzungsbedingungen problematisch ist. Sinnvoller ist es, im eigenen Profil nur die Informationen anzugeben, die man wirklich öffentlich sichtbar machen möchte.
Zusätzliche Lovoo-Apps gibt es nicht, und wer im Store auf solche Angebot stößt sollte sie umgehend dem Support melden damit diese gelöscht werden können. Auch auf die Installation von Apps von unbekannten Anbietern mit wenigen, oder stark negativen Bewertungen sollte man so gut es geht verzichten um das Smartphone zu schützen.
Was sagt Lovoo dazu?
Wo liegt das Problem der Lovoo-Dating App und dessen Ortungsproblem? BR hat recherchiert, dass diese Schwachstelle damals existiert haben soll und dass sich daraus Bewegungsprofile ableiten ließen. Lovoo erklärte laut damaliger Berichterstattung, dass die Daten der Nutzer durch technische und organisatorische Maßnahmen geschützt würden. In weiteren Berichten wurde außerdem festgehalten, dass Lovoo nach der Recherche Änderungen angekündigt beziehungsweise umgesetzt habe, damit Standorte nicht mehr genauer als auf 1000 Meter bestimmbar seien und wiederholte Abfragen zur Triangulation erschwert würden.
Nach aktuellem Stand beschreibt Lovoo in seinen Datenschutzhinweisen weiterhin die Verarbeitung von Standortinformationen und verweist bei präzisen Standortdaten auf die Einwilligung der Nutzer. Das bedeutet nicht automatisch, dass das damalige Problem unverändert besteht. Es zeigt aber, dass Nutzer bei standortbasierten Dating-Apps weiterhin bewusst mit Standortfreigaben, Profilangaben und App-Berechtigungen umgehen sollten.
Alleine die negative Presse dürfte dazu beigetragen haben, dass sich die Sicherheitsarchitektur der App noch einmal an die Wünsche und Bedürfnisse der User anpassen musste. Denn laut Lovoo soll durch die Nutzung der App vor allem eines erreicht werden: Ein sicheres und unbegrenztes Dating-Erlebnis auf einem hohen Niveau! Das wünschen wir uns als Nutzer natürlich auch. Lovoo nicht nutzen zu können wäre mit Sicherheit einschneidend. Denn die App bietet viele Funktionen und ist abwechslungsreich. Dennoch möchte man als User natürlich auf der sicheren Seite stehen und seine Daten nicht irgendwelchen Fremden zur Verfügung stellen.
Stand, Quellen & Transparenz
Stand der Informationen: Juni 2026
Die Einordnung in diesem Beitrag basiert auf öffentlich verfügbaren Informationen zur damaligen BR-Recherche, ergänzender Berichterstattung und aktuellen Lovoo-Hinweisen zu Datenschutz und Standortfreigaben. Bei sicherheitsrelevanten Themen können sich App-Funktionen, Berechtigungen und technische Schutzmaßnahmen ändern; Nutzer sollten deshalb zusätzlich die aktuellen Einstellungen in der App und im eigenen Betriebssystem beachten.
Der Beitrag kann Verweise auf eigene Angebote oder Partnerseiten enthalten. Die redaktionelle Einordnung soll dennoch fair, nachvollziehbar und möglichst sachlich bleiben.
Genutzte Quellen
- sueddeutsche.de/digital/dating-app-datenschutz-lovoo-standort-ortung-1.4559246 – damalige Berichterstattung zur BR-Recherche und Lovoo-Stellungnahme
- heise.de/news/Dating-App-Lovoo-Nutzer-koennen-leicht-geortet-werden-4492446.html – technische Einordnung der damaligen Standortproblematik
- lovoo.com/en/privacypolicy/ – aktuelle Datenschutzhinweise und Betreiberangaben
- support.lovoo.com – Hinweise zu Standortfreigabe, Privatsphäre und App-Einstellungen
- play.google.com/store/apps/details?id=net.lovoo.android – aktuelle Store-Angaben zu App-Verfügbarkeit und In-App-Käufen